ÖDHK

Österreichischer Dachshundeklub

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Zum Thema: DNA-Haarlänge Test bzw. Furnishing-Test

Kaum zu glauben – die beiden Welpen auf dem Bild sind echte Wurfgeschwister! Der DNA-Test bestätigte bei der Abstammung aller Welpen dieses Wurfes  dieselben biologischen Eltern! Aus phänotypischen KD-Eltern fielen 5 Welpen davon waren zwei phänotypische*) Langhaardackel, drei Welpen waren Kurzhaar. Stellt sich die Frage wie ist das möglich obwohl garantiert nicht „überdeckt“ bzw. fremd gedeckt wurde? Antwort: beide Eltern tragen auch Langhaarerbgut in sich, das in früheren Generationen zur Verbesserung der Haarqualität und anderer formwertlicher Fehler eingekreuzt wurde. Da Kurzhaar immer dominant gegenüber Langhaar vererbt, fällt das in der ersten P1-Generation nicht auf, weil alle Welpen phänotypisch KD sind obwohl sie genotypische Mischlinge sind, verpaart man aber zwei solche Hunde, spaltet schön nach Gregor Mendel in der P2-Generation im Erscheinungsbild sowohl auf Langhaar als auch Kurzhaar auf. Von dieser Tatsache können vor allem alterfahrene Rauhhaarzüchter ein trauriges Lied singen, passiert es doch leider immer wieder, daß in Rauhhaarwürfen Welpen ohne Bart und Brauen fallen. Bei Kurzhaar sind in der Kleindachshunde-Population mehrere Fälle bekannt. Bei Kurzhaar-Standard muß man sagen, daß zumindest noch kein Fall bekannt ist. So ist es wohl nur eine Frage der Zeit – in der gesamten Kurzhaar-Zuchtpopulation sind von bislang lediglich erst drei getesteten Zuchthunden bereits ein Langhaar-Genträger dabei!
Früher mußte man sich als Züchter in die unvermeidliche Tatsache fügen, weil man den zukünftigen Elterntieren die Anlage ja nicht angesehen hat. Heute kann man über den DNA-Haarlänge-/Furnishing-Test solche genetischen Querschläger schon vor der Deckung vermeiden.

Basis des Haarlänge-/Furnishing-Test ist das DNA-Profil, welches seit März 2018 für alle Zuchthunde bindend in der ÖDHK-Zuchtordnung vorgeschrieben ist. Das bedeutet: für den Haarlängetest sind keine neuen Blut-/Speichelproben notwendig! Der Test wird aus den bereits im jeweiligen serologischen Institut (Laboklin, Feragen, Generatio, etc.) eingelagerten Proben ermittelt.

Vorgangsweise:
1) Vereinfacht gesagt, reicht als züchterische Mindest-Maßnahme, daß bei jeder geplanten KD-Paarung wenigstens einer der Partner reinerbig Kurzhaar ist. Bei RD-Paarungen sollte wenigstens ein Partner den „Furnishing“-Test positiv abgelegt haben. Die Furnishing-Anlage ist für Bart-/Brauenausbildung notwendig. Näheres dazu siehe Dachshund-Artikel Es sollte jedoch in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, daß mit dieser Vorgangsweise das Problem in seiner Gesamtheit noch nicht komplett gelöst wird. Reinerbige KD- bzw. RD-Nachzucht gibt es logischerweise nur aus entsprechenden Paarungen. Nur aus solchen Linienführungen erübrigen sich dann auch in der Folge weitere Test.

2) Wie bereits erwähnt sind für den Haarlängetest keine neuen Blut-/Speichelproben notwendig. Mit der Labornummer des bereits vorhandenen DNA-Profils und einer Kopie des ÖDHK-Mitgliedsausweises über den Tierarzt der das DNA-Profil beim jeweiligen serologischen Institut in Auftrag gegeben hat, den Test anfordern. In diesem Fall gewähren die Institute bei Vorlage des ÖDHK-Mitgliedsausweises bis zu ca. 30%-Rabatte auf den offziellen Testpreis.

Michael Schindler – ÖDHK-Zuchtbuchführer

*) Phänotyp ist das äußere Erscheinungsbild - Genotyp, die Summe der gesamten Erbinformation, also auch der nicht sichtbaren Anlagen.
 

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